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Von Lust und Last literarischen Schreibens

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Nicht ich, die Worte sind es, die Augen haben und mich betrachten, während ich nie weiß, was sie wirklich über mich denken. Ich bin mir unsicher, ob ich der Mann bin, den sie suchen. Worte sind weiblich, erkennbar an ihrer Beweglichkeit und Intelligenz. Was haben sie mit mir vor? Wahrscheinlich warten sie auf die Dunkelheit, um mich zu verführen. Mein Vater hinterließ mir eine riesige Bibliothek, die zwei Zimmer füllte, mit schweren Regalen, die kaum Luft zum Ächzen fanden. Er war ein scheuer Mensch, ein passionierter Leser und Designer von Uhrgehäusen. Während andere Schlafmittel benötigten, konnte ich nachts nicht einschlafen, ohne vorher zu lesen. Ich war nie sicher, welches Leben mein echtes war: das des Geigenbauers Simon Hofbauer oder das des nächtlichen Lesers. Ich verliebte mich leicht in Frauenfiguren; Emma Bovary wurde meine Emma, die ich dem Autor raubte. Ich wusste nicht, wie ich sie verführte oder wie sie mich verführt hatte, denn die Kunst der Verführung schien spontan und nicht erlernbar. War ein Roman für einen Mann zwangsläufig weiblich und für eine Frau zwangsläufig männlich? Wenn ich entspannte und meine Parisienne rauchte, besuchten mich die leichtfertigsten Gedanken, die wie eine Karawane durch mich hindurchzogen, und ich wusste nicht, woher sie kamen oder was sie in meinem Gedächtnis zurückließen.

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Von Lust und Last literarischen Schreibens, Klaus Modick

Język
Rok wydania
2001
Oprawa
(miękka)
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Tytuł
Von Lust und Last literarischen Schreibens
Język
niemiecki
Wydawca
Eichborn
Rok wydania
2001
Oprawa
miękka
Liczba stron
155
ISBN10
3821808888
ISBN13
9783821808888
Seria
Ocena
2,5 z 5
Opis
Nicht ich, die Worte sind es, die Augen haben und mich betrachten, während ich nie weiß, was sie wirklich über mich denken. Ich bin mir unsicher, ob ich der Mann bin, den sie suchen. Worte sind weiblich, erkennbar an ihrer Beweglichkeit und Intelligenz. Was haben sie mit mir vor? Wahrscheinlich warten sie auf die Dunkelheit, um mich zu verführen. Mein Vater hinterließ mir eine riesige Bibliothek, die zwei Zimmer füllte, mit schweren Regalen, die kaum Luft zum Ächzen fanden. Er war ein scheuer Mensch, ein passionierter Leser und Designer von Uhrgehäusen. Während andere Schlafmittel benötigten, konnte ich nachts nicht einschlafen, ohne vorher zu lesen. Ich war nie sicher, welches Leben mein echtes war: das des Geigenbauers Simon Hofbauer oder das des nächtlichen Lesers. Ich verliebte mich leicht in Frauenfiguren; Emma Bovary wurde meine Emma, die ich dem Autor raubte. Ich wusste nicht, wie ich sie verführte oder wie sie mich verführt hatte, denn die Kunst der Verführung schien spontan und nicht erlernbar. War ein Roman für einen Mann zwangsläufig weiblich und für eine Frau zwangsläufig männlich? Wenn ich entspannte und meine Parisienne rauchte, besuchten mich die leichtfertigsten Gedanken, die wie eine Karawane durch mich hindurchzogen, und ich wusste nicht, woher sie kamen oder was sie in meinem Gedächtnis zurückließen.