Christliche Ethik in moderner Gesellschaft. Band 2, Lebensbereiche
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Für eine menschengerechte Gestaltung von Leben und Sterben im Horizont des christlichen Glaubens
Die Auseinandersetzung mit der Ambivalenz von Freiheit und Gebundenheit prägt die gegenwärtige Lebensrealität. Während der Bundesgerichtshof über die Liberalisierung des assistierten Suizids entscheidet, schränkt das Corona-Virus das öffentliche und private Leben erheblich ein. Diese Spannungen werfen grundlegende Fragen für die Theologische Ethik auf: Wie können herausfordernde Lebenssituationen so gestaltet werden, dass individuelle Entscheidungen und Handlungen an menschenwürdigen Werten ausgerichtet sind und Geborgenheit in Gemeinschaft und Nähe zu Gott erfahren wird?
Wie Gegenwartsutopien die christliche Heilsbotschaft herausfordern
Das religiose Sinnangebot einer letzten Verankerung in Gott, in einem Leben nach dem Tod, scheint heutzutage gegenuber der Faszination des Diesseits, dem Leben im Hier und Jetzt zu verblassen. Das Buch ergrundet diese geistige Atmosphare unserer Gegenwart und tritt dazu in einen Dialog mit den Denkern Yuval Noah Harari ('Homo Deus') und Hartmut Rosa ('Resonanz'), deren Utopien ein groaes Echo gefunden haben. Der Autor zeigt, wie der Glaube dabei eine neue Sprache finden kann: als Einladung an die menschliche Sehnsucht nach tiefer Vitalitat, Lebensfreude und Lebenszugewandtheit, sich selbst auch in den Grenzerfahrungen von Scheitern, Krankheit und Tod zu vertrauen.
Welche ethische Position ist in der Diskussion um die Genetik, die Stammzellen oder die Präimplantationsdiagnostik richtig? Warum sind viele Menschen heute häufig zu träge, um am demokratischen Gespräch zu diesen Fragen aktiv teilzunehmen? Wer in den heutigen ethischen Debatten mitreden will, muss etwas von der Sache verstehen. Er muss die grundlegenden Ansätze verstehen, von denen heutige Zeitgenossen her die Konflikte der pluralistischen und technischen Kultur zu lösen versuchen: die Diskursethik etwa oder den bioethischen Utilitarismus. Er muss aber auch, um den christlichen Standpunkt überzeugend vertreten zu können, die entscheidenden theologischen Voraussetzungen einer tragfähigen Ethik für heute kennen: die moralische Kompetenz des Gewissens, die Bedeutung und Grenzen ethischer Normen, die christliche Existentialethik, die Möglichkeiten, mit der Erfahrung der Schuld sinnvoll und befreiend umzugehen. Die theologische Ethik möchte aufgrund der christlichen Erlösungserfahrung Mut machen, in den gegenwärtigen Krisenerscheinungen moderner Gesellschaft moralische Verantwortung zu übernehmen, ohne die die Menschheit keine Zukunft hat.
Die Dynamik der modernen Welt scheint von den Naturwissenschaften und den Ingenieurbüros auszugehen. Hier werden die großen Entdeckungen und Erfindungen gemacht, die das Leben erleichtern. Doch Kernspaltung, ökologische Krise und genetische Manipulation machen deutlich, dass die dadurch angestoßene Entwicklung mit großen Risiken verbunden ist. Die Kulturwissenschaften rufen durch die wissenschaftliche Reflexion menschlicher Kultur zu einer kritischen Besinnung und Orientierung. In der moraltheologischen Aufnahme des kulturwissenschaftlichen Paradigmas wird deutlich, dass die Sehnsucht nach der sinnvollen Selbsterhaltung des menschlichen Lebens an der Wurzel allen kulturellen Fortschritts und aller Entwicklung steht.
Rechtsethik und Theologie des Rechts jenseits von Naturrecht und Positivismus
Es bedarf heute präziser und sachlicher Überlegungen, damit der christliche Glaube und seine moralischen Implikationen im kulturellen Kontext zur Geltung gebracht werden können. Das gilt besonders für die vielen rechtsethischen Fragen, welche die Öffentlichkeit heute bewegen, angefangen von den bioethischen und medizinischen Diskussionen bis hin zur Gestaltung etwa des Rechts von Ehe und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Dem vorliegenden Band geht es um die Begründung des Rechts in moderner freiheitlicher Gesellschaft. Scheinen doch die technischen und ökonomischen Trends mehr und mehr die menschenrechtlichen Fundamente des demokratischen Rechtsstaats zu relativieren. Der Autor zeichnet demgegenüber ein Bild moderner Rechtsethik und einer Theologie des Rechts jenseits von Naturrecht und Positivismus.