Wie in anderen Forschungsfeldern gibt es auch in der Journalismusforschung Schlüsseltexte, die ein Forschungsgebiet erschlossen haben, auf dem weitere Forschung aufbaut. Der Band versammelt solche Schlüsselwerke und stellt sie in Kurzbeschreibungen vor. Zusätzlich werden sie in den Forschungskontext eingebettet und ihre Wirkung auf den weiteren Fortgang der Forschungstradition, die sie begründet haben erläutert. Schließlich werden sie in Bezug auf ihre aktuelle Bedeutung eingeschätzt.
In diesem Kapitel werden die Funktionen nonverbaler Kommunikation im Kontext von Interviews untersucht. Die Bedeutung dieser Kommunikation für die Eindrucksbildung zeigt, dass die empirische Forschung nonverbale Indikatoren erfassen muss. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nonverbale Verhaltensweisen nicht isoliert betrachtet werden können; sie sind eng mit der verbalen Kommunikation verknüpft und beziehen sich auf sie. Auch die daraus resultierenden Inferenzen sind verbalisierbar. Nur unter dieser Bedingung ist es sinnvoll, in einer Reaktivitätsbefragung die Eindrucksbildung nachzuvollziehen, anstatt sich auf bloße Beobachtungen zu stützen. Daher lehnt KNAPP (1986: 233) die Auffassung ab, nonverbale Verhaltensweisen als eigenständiges Kommunikationssystem zu betrachten.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Konzeptualisierung des Interviews als soziale Situation. Der Mensch muss sich situativ verhalten, auch wenn er sich personal verhalten möchte. Gleichzeitig wird die Situation durch die persönliche Wahrnehmung umgestaltet, sodass Handlung und Situation sich gegenseitig beeinflussen. Die Situation bestimmt zwar das Verhalten, doch ist auch das Verhalten Teil der Situation. Verhalten äußert sich nicht nur innerhalb sozialer Situationen, sondern trägt auch zur Konstitution dieser Situationen bei.
Armin Scholl führt in die Grundlogik der Befragung als sozialwissenschaftliche Methode ein. Parallel zum Lehrbuch werden im Internet die methodischen Anlagen ausgewählter empirischer Studien veröffentlicht, um an konkreten Beispielen die Vielfalt der praktischen Möglichkeiten und Varianten der Befragung zeigen zu können. Das Buch will nicht nur die Regeln der Methode vermitteln, sondern auch zum kreativen Umgang mit ihr anregen. Außerdem wird großer Wert auf eine pragmatische und neutrale Darstellung qualitativer und quantitativer Befragungsformen gelegt.
Methodologische Herausforderungen und empirische Praxis
395 stron
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Methodenkombinationen sind eine zentrale Empfehlung für die empirische Forschung, jedoch oft unreflektiert und selten in der Praxis angewendet. Das geplante Buch zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Ausgewählte Autor/innen, die selbst Mehrmethodenstudien durchgeführt haben, erläutern ihre Ansätze aus einem praktisch-methodischen Blickwinkel und reflektieren sie theoretisch. Die Auswahl der Autor/innen und Studien erfolgt durch eine Sichtung relevanter Fachzeitschriften der Kommunikationswissenschaften, wobei unterschiedliche Methodenkombinationen berücksichtigt werden, wie Inhaltsanalyse, Befragung und Beobachtung, sowie verschiedene Methodologien, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Es wird auch untersucht, wie und zu welchem Zweck die Methoden kombiniert werden: Ergänzen sie sich, validieren sie sich gegenseitig, werden sie simultan oder sequenziell eingesetzt? Kompensieren sie die Nachteile einzelner Methoden oder führen sie zu neuen Problemen? Der Band beginnt mit einem Beitrag der Herausgeber zur Problematik der Mehrmethodenkombinationen und stützt sich auf Vorarbeiten, einschließlich einer noch nicht veröffentlichten Aufsatzsammlung und einer umfassenden Recherche von Mehrmethodenstudien in relevanten Zeitschriften. Das Buch richtet sich an empirisch arbeitende Kommunikations- und Medienwissenschaftler und eignet sich für fortgeschrittene Methodenkurse, ist jedoch nicht als Lehrbuch konzipiert.