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Florentinische Erinnerungen

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Auszug: "Sie sitzt auf ihrem Blumenthron im Lorbeerschatten, das Zepter mit der Lilie in der Hand, und spiegelt ihr schicksalsvolles, aber unverwelkliches Angesicht in dem träumenden Arno, Fiorenza, die stille Königin. Wer kann sie sehen, ohne ihr zu huldigen? Sie nimmt lächelnd deinen Tribut entgegen, aber sie lächelt an dir vorüber, denn sie sieht dich nicht, sie sieht nur die Schattenbilder des Vergangenen. Die stille Königin denkt ewig nur sich selbst. Sie träumt, als ob Gestriges Heute wäre. Sie weiss nicht, dass sie längst ihre Krone verloren hat und nur noch Rosen auf dem Haupte trägt, dass jetzt andre Throne aufgerichtet stehen und andre Königinnen mit lauterem Pompe verehrt werden. Niemand wagt ihr das zu sagen, denn alle, die zu ihr kommen, ehren ihren Traum. Die Etikette verbietet, an ihrem Hofe von anderm als von den Zeiten ihres Glanzes zu reden. Alle italienischen Städte haben ja grosse, überwältigende Erinnerungen, aber Florenz war die Hauptstadt von Genieland, die Wiege der wiedergeborenen Menschlichkeit; nur einmal, im Lauf der Weltgeschichte, dort an den Ufern des Ilyssos, sah die Sonne eine, die schöner war. Darum macht kein Ruhm von heute ihre Pulse schlagen."

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Florentinische Erinnerungen, Isolde Kurz

Język
Rok wydania
1920
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Tytuł
Florentinische Erinnerungen
Język
niemiecki
Rok wydania
1920
Seria
Tagi
Opis
Auszug: "Sie sitzt auf ihrem Blumenthron im Lorbeerschatten, das Zepter mit der Lilie in der Hand, und spiegelt ihr schicksalsvolles, aber unverwelkliches Angesicht in dem träumenden Arno, Fiorenza, die stille Königin. Wer kann sie sehen, ohne ihr zu huldigen? Sie nimmt lächelnd deinen Tribut entgegen, aber sie lächelt an dir vorüber, denn sie sieht dich nicht, sie sieht nur die Schattenbilder des Vergangenen. Die stille Königin denkt ewig nur sich selbst. Sie träumt, als ob Gestriges Heute wäre. Sie weiss nicht, dass sie längst ihre Krone verloren hat und nur noch Rosen auf dem Haupte trägt, dass jetzt andre Throne aufgerichtet stehen und andre Königinnen mit lauterem Pompe verehrt werden. Niemand wagt ihr das zu sagen, denn alle, die zu ihr kommen, ehren ihren Traum. Die Etikette verbietet, an ihrem Hofe von anderm als von den Zeiten ihres Glanzes zu reden. Alle italienischen Städte haben ja grosse, überwältigende Erinnerungen, aber Florenz war die Hauptstadt von Genieland, die Wiege der wiedergeborenen Menschlichkeit; nur einmal, im Lauf der Weltgeschichte, dort an den Ufern des Ilyssos, sah die Sonne eine, die schöner war. Darum macht kein Ruhm von heute ihre Pulse schlagen."