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In der Verbannung

Kindheit und Jugend einer Wolgadeutschen

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  • 239 stron
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»Als wir im Dorf Stepnoi Kutschuk angekommen waren, hatte sich vor dem Gemeinschaftshaus eine Menschenmenge angesammelt. Diese teilte sich nun und ließ einen schmalen Durchgang frei. Mit gesenktem Kopf schlängelte ich mich durch die Menge. Ich beobachtete dabei einige Mädchen in meinem Alter, welche sehr ärmlich gekleidet waren. Sie trugen Röcke aus Sackstoff, kombiniert mit langen Jacken. Diese wiederum wurden mit Stricken zusammengehalten. Sie schauten mich schweigend an, und ich schämte mich, daß ich besser aussah. Ich hätte zu gern gewußt, was sie jetzt dachten, als sie mich in meinem karierten, kaum über die Knie gehenden Kleid und den schönen Schuhen sahen. Über meinem Kleid trug ich eine Jacke, hatte ein bordeauxfarbenes Hütchen auf und Schleifen in den Zöpfen. Ich dachte nur, ob diese Mädchen irgendwann mit mir befreundet sein werden?« So begann 1941 die qualvolle Verbannung der zwölfjährigen Lydia Hermann als »Njemka« (Deutsche) nach Sibirien – wo den Wolgadeutschen ein »friedlicher Genozid« (Wolfgang Ruge) bevorstand. Ihre einzigen Verbrechen bestanden in einer »falschen« Sprache und einer selbständigen Kultur. Ein Dokument des Überlebens – dort, wo alle zum Sterben vorgesehen waren.

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In der Verbannung, Lydia Hermann

Język
Rok wydania
2011
Oprawa
(miękka)
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Tytuł
In der Verbannung
Podtytuł
Kindheit und Jugend einer Wolgadeutschen
Język
niemiecki
Wydawca
Dietz
Rok wydania
2011
Oprawa
miękka
Liczba stron
239
ISBN10
3320022539
ISBN13
9783320022532
Seria
Opis
»Als wir im Dorf Stepnoi Kutschuk angekommen waren, hatte sich vor dem Gemeinschaftshaus eine Menschenmenge angesammelt. Diese teilte sich nun und ließ einen schmalen Durchgang frei. Mit gesenktem Kopf schlängelte ich mich durch die Menge. Ich beobachtete dabei einige Mädchen in meinem Alter, welche sehr ärmlich gekleidet waren. Sie trugen Röcke aus Sackstoff, kombiniert mit langen Jacken. Diese wiederum wurden mit Stricken zusammengehalten. Sie schauten mich schweigend an, und ich schämte mich, daß ich besser aussah. Ich hätte zu gern gewußt, was sie jetzt dachten, als sie mich in meinem karierten, kaum über die Knie gehenden Kleid und den schönen Schuhen sahen. Über meinem Kleid trug ich eine Jacke, hatte ein bordeauxfarbenes Hütchen auf und Schleifen in den Zöpfen. Ich dachte nur, ob diese Mädchen irgendwann mit mir befreundet sein werden?« So begann 1941 die qualvolle Verbannung der zwölfjährigen Lydia Hermann als »Njemka« (Deutsche) nach Sibirien – wo den Wolgadeutschen ein »friedlicher Genozid« (Wolfgang Ruge) bevorstand. Ihre einzigen Verbrechen bestanden in einer »falschen« Sprache und einer selbständigen Kultur. Ein Dokument des Überlebens – dort, wo alle zum Sterben vorgesehen waren.