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Schattental

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Marie? Marie, die mit den Lippen rot wie Rauschbeeren? "Marie, die als Kind sang, ehe sie sprach, und tanzte, ehe sie ging. Marie, die Tochter des reichen, mächtigen Kresslein aus dem Dorf: Wer wünschte sich denn nicht, so wie sie zu sein? Ihre runden Arme und ihre volle Brust luden zum Anfassen und Umschlingen ein, so wie ihr Mund zum Küssen und zum Lachen. Früher war sie doch nur ein dickes Kind gewesen, die Marie, eines der vielen im Dorf, das an lauen Sommerabenden Rollschuh lief und eilig umkehrte, wenn es den jungen Mann, den Tauber vom Tal, die Straße hinunterkommen sah. Nun war sie eine Frau: Sie war wohl nicht davongelaufen, aber sie war auch nicht standhaft geblieben. Ich ertappte meine Hand dabei, wie sie die angeschmutzten Finger zu einer Gabel formen wollte. Das Zeichen gegen den bösen Blick, das alle hier im Dorf machten, wenn wir den Namen des Tauber hörten." Isabell Frank hat aus dem ländlichen Idiom ihrer Heimat eine gleichsam naturhafte Sprache geschaffen und verwandelt die profane Wirklichkeit eines fränkischen Dorfes in den 70er Jahren in eine zeitlos-poetische Romanwelt. Abgründiger und wahrhaftiger ist das Unheimliche des Heimatlichen selten erzählt worden.

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Schattental, Isabell Frank

Język
Rok wydania
2005
Oprawa
(twarda)
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Tytuł
Schattental
Język
niemiecki
Wydawca
Eichborn
Rok wydania
2005
Oprawa
twarda
ISBN10
3821857579
ISBN13
9783821857572
Seria
Ocena
4,3 z 5
Opis
Marie? Marie, die mit den Lippen rot wie Rauschbeeren? "Marie, die als Kind sang, ehe sie sprach, und tanzte, ehe sie ging. Marie, die Tochter des reichen, mächtigen Kresslein aus dem Dorf: Wer wünschte sich denn nicht, so wie sie zu sein? Ihre runden Arme und ihre volle Brust luden zum Anfassen und Umschlingen ein, so wie ihr Mund zum Küssen und zum Lachen. Früher war sie doch nur ein dickes Kind gewesen, die Marie, eines der vielen im Dorf, das an lauen Sommerabenden Rollschuh lief und eilig umkehrte, wenn es den jungen Mann, den Tauber vom Tal, die Straße hinunterkommen sah. Nun war sie eine Frau: Sie war wohl nicht davongelaufen, aber sie war auch nicht standhaft geblieben. Ich ertappte meine Hand dabei, wie sie die angeschmutzten Finger zu einer Gabel formen wollte. Das Zeichen gegen den bösen Blick, das alle hier im Dorf machten, wenn wir den Namen des Tauber hörten." Isabell Frank hat aus dem ländlichen Idiom ihrer Heimat eine gleichsam naturhafte Sprache geschaffen und verwandelt die profane Wirklichkeit eines fränkischen Dorfes in den 70er Jahren in eine zeitlos-poetische Romanwelt. Abgründiger und wahrhaftiger ist das Unheimliche des Heimatlichen selten erzählt worden.